Politisches zu Killerspielen
Heute ist ein furchtbarer Tag. Ich hab, wie immer, meinen Feedreader aufgemacht und mal so durchgeschaut, was es denn so gibt. Leider sind mir dann direkt zwei News ins Auge gesprungen, die ich lieber nie gesehen hätte.
Der Preis des heutigen Tages zur, meiner Meinung nach, intellektuell ausbaufähigsten Bemerkung in einem Interview geht an Professor Christian Pfeiffer. In einem Interview mit der Frankfurter Rundschau bekommt er es doch wirklich hin, Computerspiele mit Rockergruppen gleichzusetzen. So sieht er, ich glaube sogar er meint das ernst, den Grund zum Beitritt gewaltbereiter Rocker-Gruppen im Spielen von Computerspielen. Er ist der Meinung, dass in diesen Gruppen dann Neigungen ausgelebt werden, die durch Computerspiele quasi induziert wurden.
Nun sind wir also vom computersuchtgeplagten Amokläufer in sozialer Isolation des Kellerraumes, beim Motorrad fahrenden, etwas stabileren, lederbehangenen und wohl bärtigem Rocker angekommen. Man kann nun auch jedes soziale Problem von sich schieben und den Spielern zuordnen. Ich halte diese Ansicht derart Naiv, dass ich eigentlich gar nicht weiter davon schreiben will. Da wird einer ganzen Gruppe Menschen, nein Millionen von Menschen, jede Urteilsfähigkeit zwischen Bits, Bytes und der Wirklichkeit zu unterscheiden einfach abgesprochen. Unglaublich.
Nur eines noch: Die Frankfurter Rundschau hat sich mit ihrer Art der Fragestellung auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Als ernsthafter Journalist kann man derart einseitige Antworten doch nicht ohne jede Gegenfrage stehen lassen. Traurig.
Aber damit nicht genug. Die Schweiz scheint gerade nämlich das Problem der Rocker-Gruppen einfach so zu beheben, dass man Killerspiele komplett verbieten will. Dort hat der Ständerat einen Gesetzentwurf angenommen, der ein Verbot “der Herstellung, des Anpreisens, der Einfuhr, dem Verkauf und der Weitergabe” von Killerspielen durchsetzen will.
Killerspiele selbst werden wie folgt definiert:
“Spielprogramme, in denen grausame Gewalttätigkeiten gegen Menschen und menschenähnliche Wesen zum Spielerfolg beitragen”
Nett, da “grausam” doch nun wirklich kaum Spielraum lassen wird. Sims im Pool ertrinken lassen? Grausam. Auf dem Ponyhof gegen eine Wand reiten? Grausam.
Aber immerhin wird die Schweiz dann frei von jeder Gewalt sein, keine Angst vor einem Amoklauf mehr haben und vermutlich auch verschont bleiben von jeder Art der Klimakrise, weil damit hat Gewalt in Computerspielen sicher auch zu tun. Schöne, neue Welt.
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